November 2010 - dieplattelebt

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November 2010

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Zusammen arbeiten und zusammen feiern

"Die Platte lebt" erhielt Annette-Köppinger-Preis für Integration und Menschlichkeit

"Misch dich ein, es ist auch deine Gesellschaft und lass nicht zu, dass Menschen aus anderen Ländern hier angefeindet und geprügelt werden und glaube nicht, nur weil du hier geboren bist, dass du deshalb ein Erbrecht hast. Was bleibt, ist, dass du Mensch bist." - Diese Buchpassage von Annette Köppinger hallte am 3. Oktober bei der Festveranstaltung zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit und zur Ernennung von Schwerin zur Landeshauptstadt im Mecklenburgischen Staatstheater noch lange nach. In Gedenken an die 2007 verstorbene Integrationsbeauftragte wurde erstmals ein Preis für Integration und Menschlichkeit vergeben. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow dankte allen Vereinen und Initiativen, die Schwerin zu einem Ort der Vielfalt und Toleranz machen: "Die 14 eingereichten Vorschläge stehen allesamt für vorbildliche Projekte und Initiativen in unserer Stadt, die ganz im Sinne Annette Köppingers für Integration und Menschlichkeit wirken", so die Oberbürgermeisterin. Die Auszeichnung für den Verein "Die Platte lebt" begründete Stadtpräsident Stephan Nolte mit den Worten: "Der Verein vernetzt in vorbildlicher Weise die unterschiedlichen Vereine und Organisationen im Umfeld der Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz, wo besonders viele Schwerinerinnen und Schweriner mit Migrationshintergrund zu Hause sind. Das vielfältige Programm im Miteinander und Füreinander der Kulturen überzeugt ebenso wie der Freiraum für Initiativen einzelner Personen im Rahmen des Vereins und des Stadtteiltreffs EISKRISTALL. Die Angebote führen Menschen unterschiedlicher Herkunft und aller Generationen zusammen. Die Aktivitäten im Rahmen der Interkulturellen Woche sowie die öffentliche Darstellung des Engagements in der Zeitschrift Turmblick fördern die Auseinandersetzung mit Integration und Menschlichkeit im Wohnumfeld." Vereinsvorsitzende Hanne Luhdo, die den Preis entgegennahm, gab ihn symbolisch weiter an die Freunde und Partner des Vereins und wies darauf hin, dass die Grundlage für den Erfolg in der gemeinsamen Arbeit im Stadtteiltreff und in den Stadtteilbüros liege, wo auch Migranten eine Beschäftigung gefunden haben. So würden Hemmschwellen von Zuwanderern aus anderen Nationen abgebaut. So fänden sie leichter Kontakt zu den Einheimischen. Auf die Auszeichnung wurde am 9. Oktober beim Herbstfest im EISKRISTALL angestoßen. In einem bunten Programm mit Modenschau, Gesang, Tanz und Quiz feierten rund 80 Besucher einen weiteren Höhepunkt der Interkulturellen Woche. red
Verein gründet Kindersozialfonds

Der Verein "Die Platte lebt" hat auf seiner Mitgliederversammlung Ende August beschlossen, einen "Kindersozialfonds" ins Leben zu rufen. Hier werden Spenden gebündelt, die beim Verein speziell für die Arbeit im Kinder- und Jugendbereich eingehen. Mädchen und Jungen aus den Stadtteilen Mueßer Holz, Neu Zippendorf und Großer Dreesch können sich mit ihrer Schulklasse, mit der Kita-Gruppe, mit dem Sportverein, dem Tanzensemble oder auch der Familie um finanzielle Zuschüsse für Veranstaltungen, Projekte und Aktionen bewerben. Sie müssen sich in einem Antrag vorstellen und ihr Vorhaben kurz begründen, wozu sie die 30-100 Euro benötigen (ähnlich wie beim Verfügungsfonds "Soziale Stadt"). Förderfähig wären z. B. Klassenfahrten, Klassenfeste, Theatervorstellungen oder andere Veranstaltungen in der Kita bzw. Schule, außerdem Kino- und Museumsbesuche, neue Tanz-Kostüme. Hauptziele sind Bildung, Kultur und Sport. Auslöser war die Dauerspende einer Rentnerin aus Baden- Baden, die nach einer Radiosendung beschloss, etwas für die Kinder auf dem Dreesch zu tun. "Frau Rasche ist inzwischen Ehrenmitglied in unserem Verein und verfolgt unsere Aktivitäten mit großem Interesse. Wir sind regelmäßig in Kontakt und natürlich sehr dankbar für die warmherzige Spende", sagt Vereinsvorsitzende Hanne Luhdo. Über die Vergabe der Mittel entscheidet der Vorstand des Vereins. Der entsprechende Antrag ist in den Stadtteilbüros erhältlich und kann handschriftlich von Kindern ausgefüllt werden. Er ist dort auch abzugeben bzw. im "Eiskristall".
Ost-West-Paare - ganz persönlich

Am historischen 9. November, dem Tag des Mauerfalls, soll es im "Eiskristall" auf ganz persönliche Weise um die deutsche Einheit gehen. Ost- West-Paare erzählen über ihre Annäherung, über ihr Kennenlernen, über ihr Zusammenwachsen. Die Einen kamen in der "Wendezeit" durch die Arbeit in den Osten Deutschlands und blieben hier. Andere Paare fanden sich erst später über private Begegnungen. Rechtsanwalt Christian Schneider beispielsweise, der 1990 neben seiner Tätigkeit in Hamburg den Grundstein für eine Sozietät in Schwerin legte, lernte hier seine spätere Frau Inge kennen. Eine "Powerfrau", seit 2007 freiberuflich als Malerin und Grafikdesignerin tätig. Zuvor der klassische DDR-Bildungsgang: Abitur und Facharbeiterabschluss als Maurer, Studium in Moskau, Halle und Leipzig u. a. bei Prof. Heisig. Nach der “Wende” gründete sie in Schwerin eine Werbeagentur. Oder Ingrid und Karl-Heinz Warnemünde. Sie ist auf dem Lande aufgewachsen und in Schwerin sesshaft geworden; er zog1996 von Mainz nach Mecklenburg. Beide lernten sich dienstlich kennen, wohnten zwei Jahre zusammen "in der Platte" und sagten vor neun Jahren ganz offiziell zueinander "JA". Auch ihre Schulfreundin Hanne Luhdo entschied sich nach der "Wende" für einen Westmann, den sie im Internet kennengelernt hatte. Als die beiden Mix-Paare kürzlich über den Dreesch schlenderten, wurden viele Erinnerungen wach. Einige davon werden sie am 9. November ab 19 Uhr zum Besten geben.
Interkulturelles Herbstfest begeisterte

Der Verein "Die Platte lebt" nutzte beim Herbstfest am 9. Oktober im Stadtteiltreff "Eiskristall" die Gelegenheit, um über die Ehrung mit dem Annette-Köppinger-Preis zu informieren, den Kooperationspartnern zu danken und mit den Gästen anzustoßen. In einem bunten Programm mit Modenschau, Tanz und Gesang zeigten vor allem Migranten ihr Können. Besonders die talentierte Olga Boianetcaia wusste mit Tanz und Klaviermusik zu begeistern. Außerdem wirkte die 9-Jährige in der Modenschau des Vereins "Freundschaft" mit, in der auch ein Einblick in die Kulturen verschiedener Länder gegeben - von Russland bis Indien. Das Fest wurde finanziell unterstützt vom BilSe-Institut, das u. a. die Preise für das Multi-Kulti-Quiz zur Verfügung stellte. Zu den Gästen gehörten u. a. die Landtagsabgeordneten Jörg Heydorn (SPD) und Dr. Armin Jäger (CDU) sowie Stadtvertreterin Gret-Doris Klemkow und der Integrationsbeauftragte der Stadt Schwerin, Dimitri Avramenko. Er würdigte die Arbeit der Vereine in den Stadtteilen Neu Zippendorf, Mueßer Holz, Großer Dreesch und zog ein Fazit zur Interkulturellen Woche 2010. Für das leibliche Wohl sorgten die Mitarbeiterinnen des Stadtteiltreffs, die beim Kuchenbacken auch von Migrantinnen unterstützt wurden. Die rund 80 Besucher zwischen fünf und 82 Jahren hatten gemeinsam viel Spaß und sind sich gewiss an diesem Nachmittag näher gekommen. Sie lieferten den Beweis dafür, dass multi-kulti nichtg tot ist. hl
Hier wird "quer Beet" geredet

Angebot im "Eiskristall": Wie sagt's der Nachbar nebenan?

Es war im Mai 2010. Im "Eiskristall". Ich hatte mich quasi überreden lassen, einen Versuchsballon steigen zu lassen: Angebot für Migranten mit Blick auf Integration. Pate stand die Turmblick-Rubrik "Wie sagt's mein Nachbar? Noch besserDeutsch verstehen und sprechen". Das heißt: In lockerer, zwangloser Unterhaltung - möglichst nur auf Deutsch - zu kommunizieren. Ohne Prüfung, ohne Zensur, ohne Zertifikat - also kein Sprachkurs. Allerdings ein fester Termin und Ort: Mittwochs 15 Uhr im Stadtteiltreff am Berliner Platz. Meine Neugier wuchs. Ich wartete. Beim ersten Mal erschien nur eine, vom Alter her "reife Dame", beim nächsten waren es schon drei, beim dritten - keine. Dann wieder zwei, drei, vier... Termin und Ort sprachen sich herum. Seit Juni finden sie sich im gedruckten Veranstaltungsprogramm, sind auch aus dem Schaukasten vor dem "Eiskristall" zu erfahren. Ein halbes Jahr ist vergangen. Inzwischen hat sich ein kleiner Kreis von vier bis sechs "Sprechlustigen" gebildet. Die so genannte Mundpropaganda wirkt: Eine Dame sagt es der Anderen - ihrer Freundin, ihrer Bekannten. Sogar ein männliches Wesen - warum eigentlich diese Scheu? - traute sich! Stets bleibt es spannend. Die Themen kennen kein Tabu. Die augenblickliche Situation, das aktuelle Geschehen auf dem Dreesch und im Rest der Welt bestimmen den Ablauf. Sie reichen vom Verhalten beim alltäglichen Einkauf über den Erwerb einer Fahrkarte etwa nach Kiew bis zum manchmal recht komplizierten nachbarschaftlichen Zusammenleben von Jung und Alt, von Einheimischen und Neubürgern. Stolz zeigte jüngst eine Dame ein Gesangbuch in deutscher Sprache "zum Gebrauche im russischen Reich", gedruckt in alter Fraktur 1912 in St. Petersburg - "es ist für mich wie eine Reliquie", sagte sie. Oft wandelt sich - was durchaus legitim ist - der Charakter unserer Gesprächsrunde, die jeweils mindestens eine Stunde währt: Den Teilnehmer (innen) geht es nicht nur darum, ihre eigenen sprachlichen Fertigkeiten, besonders im Umgangsdeutsch, zu verbessern. Zunehmend wollen sie auch etwas über unsere Geschichte erfahren, über Kommunal- und "große" Politik, über die Rolle der Religion, immer wieder aber über die Befindlichkeiten ihrer deutschen Nachbarn. Nun habe ich Rede und Antwort zu stehen... Ich tue es nach bestem Wissen und Gewissen. Und dies bereichert alle, die an der Gesprächsrunde teilnehmen, mich eingeschlossen. Also, wenn auch Sie Lust haben, sich "quer Beet" auszutauschen: Mittwochs 15 Uhr im "Eiskristall". Dieter W. Angrick
Zwei Frauen bauen Brücken

Im "Eiskristall" helfen sie sprachliche Barrieren zu überwinden

Gelebte Integration - im "Eiskristall" empfängt dies den Besucher täglich. Der Stadtteiltreff am Berliner Platz, getragen vom Verein "Die Platte lebt", ist offen für Jung und Alt, für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Zu den gastfreundlichen Mitarbeiterinnen um Koordinatorin Evelyn Scheffler gehören Hilda Winterholler (58) und Elena Safonova (46). Sie agieren zudem für die Besucher als Sprachmittlerinnen zwischen Russisch und Deutsch. Hilda Winterholler ist Spätaussiedlerin aus einem Dorf in Kasachstan, in dem einst mehrheitlich Deutsche wohnten. Sie erinnert sich: "Von je her war Deutsch meine Muttersprache. Zu Hause pflegten wir sie täglich und in der Schule gab es pro Woche zwei Deutschstunden." Hildas Eltern waren Wolgadeutsche, die in den zwanziger Jahren nach Kasachstan gezogen waren. Die Tochter heiratete 1971, der Mann war ebenfalls deutschstämmig, und zog vier Kinder auf - zwei Jungen und zwei Mädchen. 1997 kam sie mit der Familie nach Deutschland, ein Jahr später allerdings starb ihr Mann. Hilda Winterholler, von Beruf Grundschullehrerin, gab bei allem persönlichen Leid nicht auf. Sie belegte in Schwerin einen Integrationskurs, machte ein Praktikum in einer Bäckerei, arbeitete bei Reinigungsfirmen, war dann lange Zeit arbeitslos. Ehrenamtlich wirkt sie seit vielen Jahren im Kirchgemeinderat der Petrusgemeinde und im Bund der Vertriebenen. Im Kulturzentrum "Freundschaft" schätzte man ihre Arbeit ebenso wie im Sprecherrat um Annette Köppinger. Im April 2009 bekam sie über Planung und Technik eine Kommunalkombistelle im "Eiskristall", die durch den Europäischen Sozialfonds mitfinanziert wird. Die viel besuchte und ideenvolle Veranstaltungsreihe "Am Samowar" geht auf die rührigrastlose Hilda zurück. Zur Seite steht ihr Elena Safonova, die hier zum zweiten Mal durch die ARGE eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung erhielt. Auch sie, gebürtig aus Moskau, hat eine außergewöhnliche Geschichte parat: "Mein Vater war als sowjetischer Offizier in den fünfziger Jahren in Wünsdorf bei Berlin stationiert und musste oft dienstlich in die Garnisonsstadt Schwerin. Dass einmal seine Tochter mit ihrem Mann, einem so genannten jüdischen Kontingentflüchtling, und dem Sohn in der mecklenburgischen Stadt leben würde, hätte er sich niemals vorstellen können." Seit 2003 bringt sie sich hier ein. Die Arbeit im "Eiskristall" fordert von ihr täglich Wendigkeit und deutsche Sprachkundigkeit. "Es macht mir viel Spaß", betont sie. Respekt und Dank den beiden Frauen! ZV/ric
Mittendrin statt allein

Mit 94 Jahren ist sie das älteste Mitglied im Verein "Die Platte lebt": Minna Borkowski. Als sie Mitte August im "Eiskristall" zu Gast war, um die Aufnahme zu besiegeln, gab es für sie nicht nur Kaffee, sondern auch Blumen und ein Ständchen auf dem Akkordeon. Das war ganz nach ihrem Geschmack, schließlich liebt sie die Geselligkeit. Die vermisst sie mitunter in ihrer Wohnung in der Ratzeburger Straße, wo sie alleine lebt. Auch wenn die Hausgemeinschaft hilft, wo sie kann, fällt ihr mitunter die Decke auf den Kopf. Da freut sie sich, wenn sie Besuch und Unterstützung von Doris Stieglitz erhält, die ihr schon viel über den Platten- Verein auf dem Dreesch erzählt hat. Da wollte die gebürtige Hagenowerin dazugehören. Auch wenn sie nicht zu allen Veranstaltungen kommen kann, weil ihr das Laufen inzwischen schwerfällt und sie nicht mehr alleine mit der Bahn fahren kann, will man sich von Zeit zu Zeit treffen. Also: Bis bald” hl
Ein Rapper in der “Platte”

"Kein Nachwuchs", klagen Parteien und Vereine. "Die Platte lebt" geht in die Offensive und hat kürzlich den 18-jährigen Fabian Pagel in ihren Reihen aufgenommen. "Mir ist Fabian schon öfter aufgefallen, nicht nur, wenn er als Rapper bei Veranstaltungen aufgetreten ist. Er kam einfach zum Runden Tisch Soziales dazu, weil er mitreden will. Solche jungen Leute brauchen wir. Ich würde gern die Patenschaft für ihn übernehmen, sozusagen seine Mentorin sein", verrät Hanne Luhdo. Der sympathische Rapper aus dem Mueßer Holz, der mit dem Verein "Power for kids" groß geworden ist und dort inzwischen ehrenamtlich als Betreuer im Freizeitbereich agiert, sagte "ja" und betreut nun auch Veranstaltungen des Vereins "Die Platte lebt". Am 9. Oktober bestand der Azubi (KfZ-Mechatroniker), der sich für Autos, Fahrräder und Sprechgesang interessiert, im "Eiskristall" seine Feuertaufe als Hobby-Tontechniker. hl
 
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