Die Platte lebt e.V.

November 2019

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Schweriner Fernsehturm wurde für rund 3000 Besucher zum Museum auf Zeit
Der gute alte Fernsehturm staunte nicht schlecht, als sich am 13. Oktober die Türen öffneten,
nachdem sie fast zwei Jahre geschlossen blieben. Sieben Tage lang konnten Schweriner und
Touristen von der Aussichtsplattform in 97,5 Meter Höhe die Stadt von oben bestaunen - dank
der Initiative des Filmemachers Michael Kockot und seiner Partner.
Doch es ging nicht nur um den Blick von oben, sondern auch nach innen – auf die 48-jährige
Geschichte des Plattenbaugebiets. Die Besucher waren aufgerufen, Erinnerungsstücke
mitzubringen für ein „Museum auf Zeit“. Und so wanderten neben Urkunden, Fotos,
Wimpeln, Mietverträgen und anderen Dokumenten auch Granatsplitter von der Explosion des
Munitionslagers der sowjetischen Armee 1984 in der Ludwigsluster Chaussee in Vitrinen und
an den Wänden im Foyer. An den Fensterscheiben klebten Fotos vom ehemaligen SVZ-
Fotografen Ernst Höhne - Erinnerung an vergangene Jahrzehnte.
Aber das Wichtigste waren wohl die Gespräche zwischen Empfang, Fahrstuhl und
Aussichtsplattform während der Wartezeiten. Am letzten Öffnungstag mussten die Gäste
zeitweise über zwei Stunden ausharren, bis sie nach oben fahren konnten. Für Michael Kockot
„ein Traum“, wie geduldig und diszipliniert die Besucher blieben. Er nutzte die Zeit für
Interviews für einen Dokumentarfilm über die Menschen auf dem Dreesch und ihre
Geschichten.
Doch es ging in dieser Projektwoche nicht nur um Erinnerungen, sondern auch um Träume.
Und da steht der Wunsch, dass der Fernsehturm wieder dauerhaft seine Türen öffnet, ganz
oben auf der Liste. Oberbürgermeister Rico Badenschier war sichtlich beeindruckt von der
großen Resonanz und gab sich optimistisch, dass man Wege für eine Finanzierung der
Turmsanierung finden werde. Bis es soweit ist, könnte es weitere einzelne Kulturaktionen
geben. Der Verein „Die Platte lebt“ hat seine Bereitschaft dazu bereits bekundet.
„Der
Fernsehturm war in diesen Tagen mehr als eine Schweriner Sehenswürdigkeit. Er war
ein Ort der Begegnung“, sagte Kockot und bedankt sich bei den Unterstützern und
Förderern, der Stadt Schwerin, dem Kultusministerium MV, der Friedrich-Ebert-
Stiftung und der Ehrenamtsstiftung MV sowie dem Freilichtmuseum Mueß, dem
„Dezernat 5“ und den ehrenamtlichen Helfern, ohne die dieses Projekt nicht möglich
gewesen wäre.
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